Politische Bildung: Plattform Kamille

“Ohne Dialog gibt es keine Kommunikation
und ohne Kommunikation kann es keine wahre Bildung geben.”

 

“Plattform Kamille” Politische Bildung im Kontext der Roma-Strategie

 

Problemlage

Politische Bewusstseinsbildung im Hinblick auf Staatsbürgerrechte und ein erweitertes Verständnis von citizenship sind etwas, das unter Roma dringend zu thematisieren ist. Dieser Bedarf gilt insbesondere für zugewanderte Roma. Deren Aufenthaltsstatus gestaltet sich, entsprechend der derzeitigen Gesetzeslage, sehr unterschiedlich. Neben eingebürgerten Roma gibt es solche mit Aufenthalts- und Arbeitsrecht, andere, deren Anwesenheit auf den Möglichkeiten der Touristenvisa beruht oder im Rahmen von Asylverfahren verhandelt wird. Vielen Roma fehlt das Vertrauen in Politik und Gesellschaft; nicht wenige haben Angst, auch das Wenige zu verlieren, dass sie haben.Die Angehörigen dieser Gruppen haben geringe Kenntnis von den gesetzlichen Rahmenbedingungen, die ihren Aufenthalt bestimmen. Davon ausgehend ist ihre Lebenssituation von einer schwierigen sozialen und wirtschaftlichen Lage gekennzeichnet.

In den Bereichen Bildung, Beschäftigung, Wohnraum und Gesundheitsversorgung kann von einem unzureichenden Zugang zu den entsprechenden Dienstleistungen gesprochen werden.

 

Ziele

Das Projekt verfolgt folgende Ziele:

  • Die Ziel- & Dialoggruppen werden über Prozess und Inhalt der vom BKA erarbeiteten Roma-Strategie informiert;
  • Es wird die “Plattform Kamille” als dynamische Bewegung gegründet, die nach dem Modell der Kamillen-Blume funktioniert: Um eine Koordination im Zentrum bilden sich verschiedene Teams, die selbständig, aber gut begleitet, Mini-Projekte zu den Themen der Roma-Strategie durchführen;
  • Die TeilnehmerInnen erarbeiten, ausgehend von ihren Alltagserfahrungen, Ideen für diese Mini-Projekte, also konkrete Initiativen im Rahmen des Gesamtprojekts und entscheiden selbst, welche davon sie realisieren wollen;
  • Sie erwerben dabei Kompetenzen in citizenship, können selbst aktiv ihren Integrationsprozess gestalten und erfahren Wertschätzung für ihre Fähigkeiten.
  • Durch eine gute Durchmischung der teilnehmenden Personen kommen Roma in Kontakt mit Angehörigen der Mehrheitsgesellschaft und realisieren damit bereits konkrete Integration. Hier kommt dem Projekt interkulturelle Qualität zu.

 

Ziel & Dialoggruppen

  • Zugewandere Roma;
  • autochthone Roma;
  • weitere zugewanderte Personen, die ihren Wohnsitz in Wien gefunden haben;
  • Angehörige der Mehrheitsgesellschaft, damit Begegnung und Austausch stattfindet.

 

Methodischer Ansatz: Partizipation

Die Antragsteller arbeiten seit 2005 in diesem Themenfeld zusammen und sehen sich daher in der Lage, ein Projekt zu erarbeiten, das auf eine Politik der sozialen Einbeziehung von zugewanderten Roma in Wien zielt. Dies erfolgt mit Blick auf die Themen, die im Rahmen der nationalen Roma-Strategie bearbeitet werden.

Eines der Ziele unseres Vorhabens ist es, einen wichtigen Teil der Roma-Zivilgesellschaft in die Strategie zur Förderung der Roma aktiv einzubinden.

Das Paulo Freire Zentrum wie auch der Verein “Im.Ausland” sehen sich methodischen Ansätzen verpflichtet, die partizipative Prozesse und Empowerment-Strategien ins Zentrum der Vorgangsweise stellen. Es gilt, nicht als Fürsprecher von Roma zu arbeiten, sondern jene Roma zu unterstützen, die sich für die Aktivierung anderer Roma engagieren.

Das Symbol der Kamillen-Blume steht für die Struktur des Projektes: Um ein Zentrum herum gruppieren sich die weißen Blütenblätter. Jedes Blütenblatt steht für ein Unter-Team, das eigenständig ein Mini-Projekt realisiert. Beispiele für solche Mini-Projekte könnten sein: Informationsoffensive zu Gesundheitsprävention, Projekt zur Sensibilisierung der Mehrheitsgesellschaft zu Roma-Fragen (Medien- & Öffentlichkeitsarbeit), Projekt mit Koordination von Nachhilfeunterricht für Roma-Kinder etc.

Geplant ist, zumindest vier bis maximal sechs Mini-Projekte anzustoßen. Jedes Unter-Team trifft sich einmal pro Woche zur Abstimmung ihrer Aktivitäten.

Einmal im Monat gibt es ein Treffen der gesamten “Plattform Kamille”, bei dem Erfahrungen ausgetauscht werden und die gemeinsame weitere Strategie besprochen wird.

Im Sinn des Lernzieles des Projektes sind die konkret sichtbaren Auswirkungen der Mini-Projekte weniger wichtig als der Lernprozess der Beteiligten. Es gilt, die Dialoggruppen dabei zu unterstützen, ihre eigene Selbstermächtigung zu verwirklichen. Die Einlösung umfassender Rechte in den Bereichen Bildung, Beschäftigung, Wohnraum und Gesundheitsversorgung kann nur mit langem Atem erfolgen; dieses Projekt stellt gewiss einen Beitrag dazu dar; es darf aber nicht erwartet werden, dass ein derart kleines Pilotprojekt die strukturelle Diskriminierung eines ganzen Bevölkerungsteiles überwindet.

 

 

 

 

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